Category: Sindlinger Monatsblatt

Sindlinger Monatsblatt Februar 2017

Sindlinger Monatsblatt Februar 2017

Die Ausgabe Februar 2017 des Sindlinger Monatsblatt steht hier zum Download bereit:

Sindlinger Monatsblatt Februar 2017

Hochburg der tanzenden Männer

Hochburg der tanzenden Männer

Und hoch das Bein! Ob mit kräftigen Bäuchen oder dem berühmten „Sixpack“, dürren Beinchen oder strammen Waden ausgestattet, Männerballetts haben in den närrischen Tagen in Sindlingen Konjunktur. Das war schon früher so. Das frühere Kolping-Männerballett legte mit den Grundstein für die katholische Fastnacht. Heute bewahren die „Schneeflöckchen“ dieses Erbe. Weil auch sie langsam in die Jahre kommen, hat sich eine jüngere Männertanzgruppe gebildet, die „Bierleader“. Auch der Sindlinger Karnevalverein kommt nicht ohne aus. Die „Schoppedales“ pflegen das klassische Männerballett mit hohem Spaßfaktor.

Das SKV-Männerballett (oben) in einer früheren Kampagne.

Das SKV-Männerballett (oben) in einer früheren Kampagne.

Das ehemalige Kolping-Männerballett.

Das ehemalige Kolping-Männerballett.

Der Nachwuchs ist schon aktiv: die „Bierleader“. Fotos: Michael Sittig

Der Nachwuchs ist schon aktiv: die „Bierleader“. Fotos: Michael Sittig

Die Schneeflöckchen“ sind jedes Jahr der Höhepunkt der Sitzung.

Die Schneeflöckchen“ sind jedes Jahr der Höhepunkt der Sitzung.

Totgesagte leben länger

Totgesagte leben länger

Arge Sov Klarstellung des Vorstands

Aus aktuellem Grund sieht sich der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Sindlinger Ortsvereine (Arge Sov) zu einer Klarstellung bezüglich seiner Existenz veranlasst.

„Es wurde eine Stimme aus dem Stadtteil laut, dass es die Arge Sov nicht mehr geben soll“, berichtet Michael Streubel vom geschäftsführenden Vorstand. Vielleicht gründet die Fehlinformierte ihr Wissen auf die Tatsache, dass der Vereinsring beim letzten Weihnachtsmarkt nicht als Veranstalter auf dem Plakat genannt war, vermutet er. Vielleicht liegt es aber auch an der allseits im Kreis der Mitglieder bekannten Tatsache, dass das Finanzamt dem Sindlinger Vereinsring die weitere Gemeinnützigkeit verweigert hat (wir haben berichtet). Begründet wurde das damit, dass der Vereinsring als Dachorganisation der Vereine nach den Bestimmungen der Abgabenordnung nur dann gemeinnützig sein kann, wenn es auch alle seine Mitglieder sind. Das ist nicht der Fall.

Verzicht auf die Gemeinnützigkeit

Die Arge Sov hätte daher, um die Gemeinnnützigkeit zu behalten, ihre nicht-gemeinnützigen Mitglieder ausschließen müssen.

Da der Vereinsring aber den gesamten Stadtteil repräsentieren möchte, sind neben Schulen, sozialen Organisationen und Mandatsträgern auch Vereine mit und ohne den Status „gemeinnützig“ Mitglieder.

In einer Versammlung zu diesem Thema im vergangenen Jahr haben die Mitglieder einstimmig beschlossen, lieber auf die Gemeinnützigkeit zu verzichten und den Vereinsring in bestehender Weise fort zu führen als Mitglieder auszuschließen.

Der Vorstand wird den klaren Mitgliederauftrag dahin gehend umsetzen, dass in der Jahreshaupt-versammlung – voraussichtlich Ende April – eine den aktuellen Gegebenheiten angepasste, geänderte Satzung zur Entscheidung vorgelegt wird. „Die Arge Sov besteht weiter als eingetragener Verein, und das soll und wird auch so bleiben“, betont Michael Streubel. simobla

Keiner kehrt

Keiner kehrt

Straßenreinigung FES schiebt‘s aufs Wetter

Dass es an der Bushaltestelle Westenberger Straße häufig aussieht wie auf einer Müllhalde, ist hinlänglich bekannt. Dass nun aber auch die anderen Straßen wirken, als ob dort wochenlang nicht gekehrt worden sei, war Anlass für viele Fragen bei CDU-Ortsbeirat Albrecht Fribolin. Er hat sich daraufhin an die Frankfurter Entsorgungs- und Service-GmbH gewandt. „Es ist inzwischen offenkundig, dass in einer Vielzahl von Straßen seit Wochen nicht gekehrt wurde und diese auch inzwischen so aussehen“, beschreibt er, was augenfällig ist. Für die Straße Krümmling kann er selbst bestätigen, dass dort seit dem 6. Januar keine Reinigung erfolgt ist. „Ähnlich ist die Situation in der Okriftelerstraße, der Hermann-Brill-Straße, der Huthmacherstraße und der Westenbergerstraße“, zählt er auf. Gleiches gelte für die Sindlinger Bahnstraße, die eigentlich sogar zweimal pro Woche gereinigt werden soll. Bei einem Anruf am Service-Telefon erhielt der Ortsbeirat die Antwort, „die heftigen Schneefälle in Frankfurt seien die Ursache für die Ausfälle bei der wöchentlichen Straßenreinigung“. Doch gab es in Sindlingen lediglich am 10. Januar Schnee, der schon am nächsten Tag wieder getaut war.

„Ich bitte Sie deshalb herzlich, eine gründliche Sonderreinigung in Sindlingen durchzuführen. Die Argumentation der Bürger, „man bezahle doch dafür“, ist auch Ihnen hinlänglich bekannt und sollte nicht noch durch überlange Intervalle des „Nicht-Kehrens“ bestätigt werden“, schreibt Fribolin. Zwischenzeitlich hat die FES mitgeteilt, dass die Arbeitskräfte für den Winterdienst gebraucht wurden. Außerdem könne die Kehrmaschine bei Frost nicht eingesetzt werden simobla

Mit Musik, Gesang und Ebbelwoi

Mit Musik, Gesang und Ebbelwoi

Männerchor Germania Vorsitzender Jochen Dollase wurde 60 Jahre alt

Heiß hergehen sollte es am 28. Januar – aber dann erwischte Jochen Dollase eine Erkältung. Deshalb sagte der Vorsitzende des Männerchors Germania kurzfristig die große Fete zu seinem 60. Geburtstag ab.

Ausfallen soll das Fest aber nicht, es wird demnächst nachgeholt. Schließlich wollen viele gratulieren: Verwandte, Freunde wie Ur-Schlendrian Ali Schmidt und nicht zuletzt die Sänger. Seit sechs Jahren ist Jochen Dollase, Rufname „Yogi“, ihr Vorsitzender. 1975, mit 18 Jahren, trat er der Germania bei und singt seither im Chor. Sein Organisationstalent war schon häufig gefragt, sei es bei den Sängerfesten (zuletzt dem großen Fest 2012) oder bei Chorreisen. Das Singen beim Papst im Rom 1983, beim Bundespräsidenten in Kanada 1990 und eine Fahrt durch die kanadischen Rocky Mountains 1993 zusammen mit dem Männerchor und Dirigent Hans Schlaud waren für ihn unbestrittene Höhepunkte.

Den Sangesbrüdern verdankt er auch eine weitere Leidenschaft. Apfelwein. Früher kelterte jeder Dritte selbst. Da konnte es nicht ausbleiben, dass auch „Yogi“ seine Äpfel in den „Stern“ zum Keltern brachte, den Most nachhause karrte und im Keller zu Apfelwein ausbaute. Gleich der erste Versuch 1982 gelang so gut, dass er seither dabei geblieben ist. Dass sein Ebbelwoi allgemein Anklang findet, zeigt sich jedes Jahr aufs Neue bei der Wahl des „Apfelweinkönigs“. Bei der Blindverkostung landet Jochen Dollases Stöffchen jedes Mal auf vorderen Rängen; letztes Mal fehlte ihm nur ein Punkt zum Titel. Seine Verbundenheit mit dem hessischen Nationalgetränk geht ihm sogar unter die Haut. Seit 2013 trägt er eine Bembel-Tätowierung auf dem Unterarm. In jenem Jahr erhielt er auch den Ehrenbrief des Landes Hessen für seine langjährige ehrenamtliche Tätigkeit.

Mit dem „Törmsche“ ans Nordkap

Beruflich ist der Ur-Sindlinger seit 1977 beim Main-Taunus-Kreis tätig. Als Verwaltungsangestellter im Hauptamt obliegt ihm unter anderem die Organisation von Veranstaltungen. Bevor er die Lehre dort antrat, unternahm er mit sechs Freunden aus dem Jugendclub „Törmsche“ eine Reise ans Nordkap. „Das war ein Riesen-Erlebnis“, schwärmt er noch heute von 9600 Kilometern mit Auto und Zelt: „Wir haben am Nordkap Sindlinger Erde ausgestreut und Erde von dort in Sindlingen.“

Unvergesslich sind für viele Sindlinger Auftritte der Folk-Gruppe Schlendrian. Auch dabei war Dollases Organisationstalent gefragt. Er verhalft seinem Kumpel Ali Schmidt und seinen Freunden 1976 zu einem ersten großen Auftritt bei den Zehnthofkonzerten von Theo Sittig.

„Es gab danach große Berichte, etliche Anfragen, und so habe ich mich weiter darum gekümmert“, schildert er die Anfänge einer 26 Jahre andauernden Tätigkeit als Manager der Band. „Kulturtreff Höchst, Jazzclub Kelkheim, das Neue Theater – Wir haben in allen ersten Häusern rundum gespielt“, erzählt Jochen Dollase. Zwischenzeitlich hat sich Schlendrian aufgelöst.

So bleibt mehr Zeit für andere Dinge. Im vergangenen Sommer erfüllte sich Jochen Dollase einen Traum und fuhr mit Lebensgefährtin Andrea Schwarz auf die Zugspitze. Daneben sind Meran und Sylt seine bevorzugten Urlaubsziele – Aber nie ohne seinen Ebbelwoi, gemäß seinen Leitsprüchen: „En Ebbelwoi geht immer noi“ und „Geht net, gibt’s net“. hn

Den Bembel hat Jochen Dollase, Vorsitzender des GV Germania, in Form einer Tätowierung immer dabei. Foto: Michael Sittig

Den Bembel hat Jochen Dollase, Vorsitzender des GV Germania, in Form einer Tätowierung immer dabei. Foto: Michael Sittig

Sindlinger Dalli-Klick

Sindlinger Dalli-Klick

Eine ganz besondere Form der „Ortserkundung“ unternimmt der Sindlinger Heimat- und Geschichtsverein am Montag, 20. Februar, ab 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus, Gustavsallee 21. Wer sich noch an das gute alte „Dalli, dalli, klick“ von Hans Rosenthal erinnert, der weiß, welchen Spaß es macht, Bilder zu erraten, wenn nur Teile nach und nach aufgedeckt werden. Wer dann zuerst die richtige Lösung findet, hat gewonnen. Der Archivar des Vereins, Werner Raschke, hat für dieses Spiel Sindlinger Motive (Personen/Gebäude/Merkmale) ausgesucht, die es an diesem Abend zu erraten gilt.

In einem spannenden und hoffentlich lustigen Wettbewerb sucht der Verein den pfiffigsten Kenner Sindlingens, der dann auch attraktive Preise mit nach Hause nehmen darf.

Gottesdienst mit Gesang, danach Empfang

Gottesdienst mit Gesang, danach Empfang

Zum traditionellen Neujahrsgottesdienst mit anschließendem Empfang lud der Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde ein. Der Frauenchor Germania gestaltete einen Gottesdienst mit, in dem Pfarrer Ulrich Vorländer in seiner Predigt aktuelle Entwicklungen aufgriff. So gab es, unabhängig von den Geschehnissen in der Gemeinde, beim Empfang reichlich Gesprächsstoff. Foto: Hans-Joachim Schulz

Zum traditionellen Neujahrsgottesdienst mit anschließendem Empfang lud der Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde ein. Der Frauenchor Germania gestaltete einen Gottesdienst mit, in dem Pfarrer Ulrich Vorländer in seiner Predigt aktuelle Entwicklungen aufgriff. So gab es, unabhängig von den Geschehnissen in der Gemeinde, beim Empfang reichlich Gesprächsstoff. Foto: Hans-Joachim Schulz

En Mensch von Frankford

En Mensch von Frankford

Evangelische Gemeinde Mario Gesiarz stellt Friedrich Stoltze vor

„Un es will merr net in mein Kopp enei: Wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!“ Kaum ein Alteingesessener, der diesen Ausspruch Friedrich Stoltzes nicht kennt. Doch der große Frankfurter, dessen 200. Geburtstag sich am 21. November 2016 zum 200. Mal jährte, ist nicht nur für seine Mundartdichtungen bekannt.

Darüber berichtete Mario Gesiarz beim „Frankfurter Abend“ in der evangelischen Gemeinde. Mit Ausschnitten aus dem Leben Stoltzes anhand seiner Texte vermittelte der Sindlinger Mundart-Rezitator und Stoltze-Fan rund 60 Zuhörern ein lebendiges Bild des Lokaldichters, Herausgebers der Zeitung „Frankfurter Latern“, des überzeugten Demokraten, Rebellen und Freiheitskämpfers und seines Sohnes Adolf.

Als Sohn des Wirtsehepaares der Gaststätte „Zum Rebstock“ in der Altstadt kam der junge Friedrich schon früh in Konakt mit Liberalen und Demokraten, Freidenkern und anderen „Aufsässigen“ des so genannten Vormärz und ihren Träumen von Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit. Gleichzeitig pflegte er die Mundart, schrieb sogar auf Frankforderisch. Das kam gut an. Ab 1860 gab er die politisch-satirische Wochenzeitschrift „Frankfurter Latern“ heraus. Sie erschien in ganz Deutschland und erfreute sich rasch großer Beliebtheit bei den Bürgern. Die Behörden insbesondere in Preußen und anderen Fürstentümern dagegen waren nicht erfreut. Mehrfach konnte sich Stoltze einer Verhaftung nur knapp entziehen, indem er die freie Reichsstadt Frankfurt nicht verließ.

1866 endete die Ära der „Latern“, als die Preußen Frankfurt besetzten, die Zeitung verboten und Stoltze fliehen musste. Er durfte zwar wenige Monate später heimkehren, doch die „Frankfurter Latern“ blieb bis 1872 verboten. Nach seinem Tod am 28. März 1891 wurde Friedrich Stoltze unter großer Anteilnahme der Frankfurter Bevölkerung auf dem Hauptfriedhof beigesetzt. simobla

Mario Gesiarz erzählte am „Frankfurter Abend“ von Friedrich Stoltze, dessen Geburtstag nun 200 Jahre zurück liegt. Foto: Hans-Joachim Schulz

Mario Gesiarz erzählte am „Frankfurter Abend“ von Friedrich Stoltze, dessen Geburtstag nun 200 Jahre zurück liegt. Foto: Hans-Joachim Schulz

Kein Verständis für gefährliche Malerei – gefährlicher Radweg

Kein Verständis für gefährliche Malerei

Radweg Planer erklären die Anlage bei einer Begehung – Vor Ort bleiben Zweifel

„Stellt doch eine Bütt statt einer Verkehrsinsel hin. Dann kann man jeden Tag einen Vortrag halten!“ Scherzhaft kommentiert ein ortsbekannter Fastnachtsfreund die jüngste Entwicklung im Streit um die Radwegeführung am Dalles. Im Januar trafen sich Mitglieder des Ortsbeirats Sechs, des allgemeinen deutschen Fahrradclubs (ADFC) und des Straßenverkehrsamts an der Einmündung der Westenberger in die Farbenstraße, um sich anzusehen, was die Sindlinger aufregt.

„Ich habe selten so viele Proteste gehört wie zu dieser Geschichte“, sagte CDU-Ortsbeirat Albrecht Fribolin. Gegen die Einbahnrichtung ist ein Radweg zur Mündung der Westenberger in die Farbestraße markiert. Da sie mitten in einer Kurve auf die Hauptdurchgangsstraße trifft, werden Radler per Linien und Piktogramm kurz vorher quer über den Bürgersteig und weiter über die Farbenstraße geleitet. Zwei mobile Verkehrsinseln sollen die Sicherheit für Radler und Fußgänger erhöhen, denn die Querung liegt direkt hinter besagter Kurve. Fribolin hat beantragt, alles wieder zu entfernen. Bevor sich der Ortsbeirat damit befasst, besahen sich die Kommunalpolitiker die Situation vor Ort.

„Wir wollen Ihnen heute hier die Gesamtplanung vorstellen“, sagte Gert Stahnke, Leiter des Straßenverkehrsamts. „Es handelt sich um einen Lückenschluss im Radwegenetz“, führte Joachim Hochstein, Leiter des Radfahrbüros, aus. Radfahrer sollen von Westen her direkt in die Ortsmitte gelangen können. Deshalb sei die Einbahnstraße für sie geöffnet worden. Der Schwenk über den Gehweg soll verhindern, dass Radfahrer direkt in der Kurve ankommen. „Wir haben momentan keine bessere Lösung“, bedauerte er. Von den aufgeschraubten Verkehrsinseln profitierten nicht nur die Radfahrer, sondern auch Fußgänger. Außerdem werde alles transparenter und übersichtlicher aufgrund des ausgedehnten Halteverbots. Weitere „begleitende Maßnahmen“ in der Bahnstraße sollen zudem dafür sorgen, dass die Autofahrer schon vor der Kurve auf Tempo 30 hinunter bremsen. „Wir dachten, wir tun etwas Gutes“, versicherte Hochstein.

Die Inseln werden regelmäßig gerammt

Bertram Giebeler vom ADFC bestätigte, dass es bei Tempo 30 kein Problem sei, die durch die Verkehrsinseln geschaffene Engstelle zu passieren. Trotzdem werden die Inseln regelmäßig angefahren und verschoben. „Wir haben sie schon viermal neu verschraubt“, berichtete Günter Schneider, Leiter des Baubezirks West. Ralf Lemster, Radfahrer, sagte: „Die genannte Lücke ist mir noch nie aufgefallen. Ich fahre immer durch die Johann-Sittig-Straße oder die Meister-Straße. Hier vorne sieht man zu wenig.“ Stadtbezirksvorsteher Dieter Frank stört sich daran, dass durch die Inseln eine sichere Querung suggeriert werde. „Wissen Radfahrer und Fußgänger, dass sie keinen Vorrang haben?“, fragte er. „Der scheinbare Schutz ist eine Irreführung“, sagte auch Albrecht Fribolin: „Diese Lösung ist ausgesprochen gefährlich.“ Leite man die Radler durch die Sittig- oder Meister-Straße, „könnte man sich die ganze gefährliche Malerei sparen“, sagte er. Doch Giebeler und Susanne Neumann, Pressesprecherin des ADFC in Frankfurt, winkten ab: „Das wäre ein Umweg.“

Joachim Hochstein schlug vor, die aufgemalten Linien auf dem Gehweg zu entfernen und nur mit einem Fahrrad-Piktogramm auf die Wegeführung hinzuweisen. „Dann bleibt aber das Problem des Radfahrens gegen die Einbahnstraße“, schüttelte Fribolin den Kopf. Als stadtweit viele Einbahnstraßen für Radfahrer in beide Richtungen geöffnet wurden, habe es für die wenigen Ausnahmen gute Gründe gegeben. Deshalb habe sich der Ortsbeirat ausdrücklich dagegen ausgesprochen, die Westenberger Straße frei zu geben.

Ortsbeirat Thomas Schlimme (Grüne) vermutete, dass die „konservativen Bevölkerung“, die grundsätzlich gegen das Radfahren gegen die Einbahnstraße sei, die Striche auf dem Gehweg als Provokation empfinden könnte. „Blödsinn“, kommentierte Fribolin. Es zeichnete sich ab, dass es in der nächsten Sitzung des Ortsbeirats eine lebhafte und kontroverse Diskussion darüber geben wird, ob die Radwegemarkierungen bleiben oder nicht.

Unstrittig war die vorgesehene Querungshilfe für Fußgänger in der Sindlinger Bahnstraße, Höhe Haus Nummer 7. Dort sollen ebenfalls Verkehrsinseln installiert werden. Die Markierungen sind schon aufgebracht. Dafür entfallen zwei Parkplätze. hn

Das Corpus delicti besahen sich einige Mitglieder des Ortsbeirats Sechs vor Ort am Dalles. Fotos: Michael Sittig

Das Corpus delicti besahen sich einige Mitglieder des Ortsbeirats Sechs vor Ort am Dalles. Fotos: Michael Sittig

Joachim Hochstein, Leiter des Radfahrbüros, erklärte den Ortsbeiräten die Radwegeführung durch Sindlingen.

Joachim Hochstein, Leiter des Radfahrbüros, erklärte den Ortsbeiräten die Radwegeführung durch Sindlingen.

BI Neubaugebiet lässt nicht locker

BI lässt nicht locker

Neubaugebiet Viele Nachteile, keine Vorteile

3000 neue Wohnungen sollen rund um den Industriepark entstehen, die weitaus meisten davon in Sindlingen-Nord (2000 Wohnungen). Doch der Stadtteil werde davon nicht profitieren, befürchtet die Bürgerinitiative (BI) gegen das Neubaugebiet.

Nicht nur, dass durch den Bau von Wohnhäusern entlang der Farbenstraße am westlichen Ortsrand Richtung Hattersheim hochwertige Ackerböden, Grünzüge und damit Möglichkeiten der Naherholung wegfallen würden. Die Bebauung würde auch die wichtige Frischluftschneise blockieren. Dass die Sportanlage am Kreisel und die Kleingartenanlage dafür weichen sollen, hält die BI für besonders bedenklich.

Argumente von Befürwortern, dass viele Neubürger die Geschäftswelt beleben würden, hält die BI für wenig stichhaltig. In anderen Neubaugebieten, wie zum Beispiel dem Riedberg, hätten benachbarte Stadtteile wie Kalbach, Bonames oder Niedereschbach keinen Zulauf in Geschäften oder Vereinen verzeichnet. Im Fall Sindlingens entstünde lediglich ein neuer Stadtteil im erweiterten Norden, begrenzt von einer Eisenbahnlinie und einer Hauptstraße. „Wie kann man denn da von positiven Einflüssen sprechen, geschweige denn von Nachbarschaftsnähe?“, heißt es in der Pressemitteilung, die Franz Ilg, Patrick Stappert, Illona Klein und Claudia Ilg unterzeichnet haben. Sie verweisen auf rund 1000 Unterschriften von Bürgern, die sich ebenfalls gegen das Neubaugebiet ausgesprochen haben, und hoffen, in der nächsten Sitzung des zuständigen Ausschusses der Stadtverordnetenversammlung zu Wort zu kommen, um ihr Anliegen vorzutragen. simobla