Category: Aktuelle Nachrichten

Student, Milchlieferant, Landwirt

Student, Milchlieferant, Landwirt

90. Geburtstag – Der Krieg zerstörte die Karriere, aber Franz Pickel ist trotzdem ein Glückskind

Wenn Franz Pickel von früher erzählt, ist das wie eine Zeitreise. Der Ur-Sindlinger feierte am Anfang Juni seinen 90. Geburtstag. Er hat Vieles erlebt, was Jüngere nur noch aus den Geschichtsbüchern kennen – oder von Fotos im Kalender des Heimat- und Geschichtsvereins.

Franz Pickel kam am 8. Juni 1928 als Sohn eines Milchhändlers zur Welt und wuchs in der Straße Alt-Sindlingen 15 auf. 1942 schickten die Eltern den Vierzehnjährigen an eine Lehrerbildungsanstalt in der Nähe von Koblenz. „Da war ich ganz auf mich angewiesen“, sagt der Jubilar, „da bin ich selbständig geworden.“ 

Doch 1944 wurder er zum Reichsarbeitsdienst eingezogen. „Wir haben Panzersperren im Bayerischen Wald gebaut“, berichtet er. Sieben Monate später endete der Krieg. „Ich kam kurz in tschechische Kriegsgefangenschaft, durfte aber schon am 23. Mai 1945 wieder heim“, sagt er: „Ich habe mein Leben lang Glück gehabt.“ 

Zuhause sah es danach erst mal nicht aus. Zwar hätte Franz Pickel gerne die Lehrerausbildung zu Ende geführt, doch seine Zeugnisse aus der NS-Zeit wurden abgelehnt. Stattdessen riet man ihm, Maurer zu lernen, „weil die Städte alle in Trümmern lagen und das gebraucht wurde“, berichtet er. Nach zwei Jahren absolvierte er die Prüfung und wartete auf einen Studienplatz für ein Ingenieursstudium. Die Zwischenzeit überbrückte er im elterlichen Betrieb. „Da war genug zu tun“, erzählt er.

Seine Eltern betrieben ein Milchgeschäft, das die Sindlinger täglich mit frischer Milch belieferte. „Damals gab es noch keine Kühlschränke. Aber es gab viele Kinder“, erklärt der Senior, warum dieser Dienst so wichtig war.

 In der Freizeit spielte Franz Pickel bei der Sportgemeinschaft Sindlingen Fußball. „Nach dem Spielen gingen wir häufig zum Tanz im Mainzer Hof“, erzählt er. Dort fand er in Hedwig Huthmacher eine Gleichgesinnte. Er kannte das Mädchen aus der Nachbarschaft schon seit Kindheitstagen. Franz Pickel half gelegentlich auf den Äckern ihres Vaters Jakob Huthmacher. 

 Der evangelische Junge und das katholische Mädchen heirateten 1950 in der katholischen Kirche St. Dionysius. Sie lebten im Elternhaus Huthmacher in der Allesinastraße 28. Im gleichen Jahr überschrieb Jakob Huthmacher seinem Schwiegersohn den Hof.

Damit war das Studium passé. „Damals hatten wir noch 36 Landwirtschaften in Sindlingen“; sagt Franz Pickel. Spezialisiert war keiner. Wie alle anderen betrieb er Getreidebau für Brot, Bier und Schweinemast, Kartoffelbau für den Verzehr und die Schweine, pflanzte Klee und Heu für die Pferde und Runkelrüben für die Kühe. Um 1960 herum tat er sich mit zwei benachbarten Landwirten zusammen, um gemeinsam einen großen Mähdrescher zu kaufen. „Das war wie ein Wunderwerk“, sagt er.

Franz Pickel setzte von Anfang an auf Wachstum und Modernisierung. Während andere Höfe, deren Erben im Krieg gefallen waren, aufhörten, pachtete er weitere Flächen hinzu. 1958 baute er seinen Hof um und schuf mit einer großen Halle, Getreidespeicher und neuen Ställen die Voraussetzungen für einen prosperierenden Betrieb. Er kaufte seinen ersten Traktor und trennte sich von den Rindern. Stattdessen standen von nun an sechs Pferde des Reitervereins bei ihm ein. „Damit und mit dem Anbau des Futters war mehr zu verdienen“, sagt er. Hinzu kamen 300 Hühner. Viele Sindlinger kauften bei ihm ihre Eier direkt ab Hof.

Auch privat lief alles bestens. Drei Töchter brachte Hedwig Pickel zur Welt. „Mein Schwiegervater war ein echter Freund. Wir hatten ein wunderbares Familienleben“, sagt Franz Pickel.

Urlaub war nie drin, aber eins ließ er sich nicht nehmen. „Ich war 35 Jahre lang bei jedem Eintracht-Spiel, habe immer auf dem selben Platz gesessen“, sagt er und freut sich über die silberne Nadel, die ihm der Frankfurter Fußballverein verliehen hat.

1993 gab er die Landwirtschaft auf. Mit 65 Jahren wechselte er in den Ruhestand. Die folgenden Jahre holte er mit seiner Frau nach, was zuvor nicht möglich gewesen war. „Wir sind durch ganz Europa gereist“, erzählt er. Die lange gemeinsame Zeit endete 2013 mit Hedwigs Pickels Tod, kurz vor ihrem 88. Geburtstag. Seither lebt Franz Pickel allein, unterstützt von den Töchtern. „Ich kümmere mich um alles, Hof, Scheune und Garten und habe trotz einer Sehschwäche immer etwas zu tun“, sagt er – ein Glückskind eben, das aus allem das Beste macht. 

Franz Pickel lebt seit 90 Jahren in Sindlingen. Foto: Michael Sittig

Franz Pickel lebt seit 90 Jahren in Sindlingen. Foto: Michael Sittig

Ulrike Grohmann hat selbst Spaß an der Bewegung

Sport ist im Verein am schönsten

Fitness und Gesundheit Der Turnverein schafft sein Kurskartensystem ab

Der Turnverein Sindlingen schafft sein Kurskartensystem ab. Ab September gelten die Stempelkarten nicht mehr, die Mitglieder wie Nichtmitglieder in den vergangenen sechs Jahren für die Teilnahme an Gesundheits- und Fitnesssportarten erwerben mussten. 

Pilates, Bauch-Beine-Po, Walking, Easy Step, Yoga, Fitboxen, Zumba und die Gesundheitskurse laufen unverändert weiter. Wer weiter daran teilnehmen möchte, sollte in den Verein eintreten, sagt Ulrike Grohmann.Sie ist seit kurzem verantwortlich für die neu gegründete Abteilung „Fitness und Gesundheit“. Seit längerem schon suchte der Turnverein jemanden, der sich um die Gymnastik- und Trendsportarten für Erwachsene kümmert. Entstanden sind sie nach und nach. Mit Tae-Bo, Tai-Chi, Yoga und Rückenschule wollte der Turnverein ab 2006 Sportinteressierte erreichen, die sich nicht für eine der Mannschaftssportarten erwärmen konnten, sagt Vorsitzender Michael Sittig. Sie sollten die Möglichkeit haben, auch ohne Mitgliedschaft attraktive Sportarten ausüben zu können. Der Preis war mit 15 bis 45 Euro Zuzahlung je Kurs deutlich günstiger als der Besuch eines Fitnessstudios. Verbunden damit war die Hoffnung, dass sich regelmäßige Teilnehmer zum Vereinsbeitritt entschlossen.

Das Angebot wuchs. 2012 erweiterte der Verein die Möglichkeiten, indem er Kurskarten ausgab. Fortan konnten Mitglieder für drei, Nichtmitglieder für sechs Euro je Stunde an allen Kursen teilnehmen. Diese Woche Yoga, nächste Woche Zumba – die feste Bindung an eine Sportstunde wurde aufgehoben. Jedoch hatten die verschiedenen Angebote nichts miteinander zu tun. Wer mehr als einen Kurs besuchte, zahlte entsprechend mehr drauf.

Mit der Vielfalt ging ein wenig die Übersicht verloren. Es fehlte ein fester Ansprechpartner und Koordinator. Das erkannte der Vorstand und suchte einen Kurs- und Sportwart. Ulrike Grohmann erklärte sich bereit, die Aufgabe zu übernehmen. Sie ist selbst in Fitnesskursen aktiv und hat damit einen großen Vorteil vor den übrigen Vorstandsmitgliedern, die überwiegend aus dem Handball kommen.

Für Mitglieder weniger attraktiv

Gemeinsam mit ihnen hat sie eine „Stellenbeschreibung“ verfasst und eine Bestandsaufnahme versucht. Sie stellte fest, dass alles sehr uneinheitlich ist. Walking zum Beispiel kostet nichts extra, Zumba aber wohl. „Das ist schwer zu vermitteln“, findet sie. Die Teilnehmerzahlen in den einzelnen Übungsstunden schwanken stark, eine Folge der hohen Flexibilität. „Ich habe mir alles angesehen und gerechnet und kam zu dem Ergebnis, dass das Kurskartensystem für Mitglieder weniger attraktiv ist als für Nichtmitglieder“, sagt Ulrike Grohmann. Die Mitglieder zahlen 30 Euro für zehn Stunden zusätzlich zu ihren elf Euro Monatsbeitrag. Das Ziel, neue Mitglieder zu gewinnen, sei so nicht zu erreichen. Gleichzeitig ist mit dem Kartensystem viel Arbeit verbunden. „Wenn es richtig gemacht werden sollte, wäre es ein riesiger Aufwand für die Ehrenamtler im Verein“, hat Ulrike Grohmann erkannt.

Mitgliedschaft lohnt sich auch finanziell

Sie berichtete den Vorstandskollegen. Gemeinsam beschlossen sie, das System abzuschaffen. „Das macht den Turnverein für die Mitglieder attraktiver“, ist sich Ulrike Grohmann sicher. Es gibt keine Zusatzkosten mehr, egal, ob jemand ein, zwei oder vier verschiedene Angebote wahrnimmt. Für Nichtmitglieder sei das ein Anreiz, über einen Eintritt nachzudenken, denn die Mitgliedschaft sei auch für sie finanziell interessant. 

„Die Ausgangsannahme ist, dass jemand in einen Verein geht, der sich regelmäßig sportlich betätigen möchte. Bisher kosteten zehn Übungsstunden Nichtmitglieder 60 Euro, der Vereinsbeitrag liegt bei 66 Euro für sechs Monate. Da ist es deutlich günstiger, in den Verein einzutreten“, rechnet sie vor. Zumal den Mitgliedern dann auch alle anderen Angebote offenstehen.

Der Übergang erfolgt zum Stichtag. Bis zum 1. September laufen die Kurse wie gehabt per Stempelkarte. Wer danach noch nicht genutzte Felder übrig hat, erhält die entsprechenden Gebühren zurück. Ab September sind die Kurse ein reines Vereinsangebot für Mitglieder. „Natürlich dürfen Neugierige auch nach dem 1. September noch dreimal „schnuppern“, bevor sie sich festlegen“, sagt Ulrike Grohmann. Über die Details der Neuerungen informiert der Verein an seinem Stand beim Ranzenbrunnenfest (1. September).

Ulrike Grohmann kümmert sich um die Fitness- und Gesundheitskurse im Turnverein. Foto: Michael Sittig

Ulrike Grohmann kümmert sich um die Fitness- und Gesundheitskurse im Turnverein. Foto: Michael Sittig

Ulrike Grohmann hat selbst Spaß an der Bewegung

„Ich wollte mich gerne ein bisschen mehr im Verein engagieren“, sagt Ulrike Grohmann. Daraufhin schlug ihr der Vorstand vor, sich als Sportwartin um die Fitness- und Gesundheitskurse zu kümmern. Nach kurzem Zögern willigte sie ein – „Ich habe ein starkes Eigeninteresse, dass es die Kurse, die ich nutze, auch weiterhin gibt“, sagt sie.

Dabei hat die 57-Jährige erst spät mit dem Sport begonnen. In ihrer Kindheit und Jugend spielte er keine Rolle. Geboren im Bergischen Land, aufgewachsen in Niedersachsen, studierte sie in Gießen Ernährungswissenschaften und trat 1989 ihre erste Stelle als diplomierte Ökotrophologin in Frankfurt an. Sie wohnte zunächst in Zeilsheim, wo 1991 Sohn Leonard zur Welt kam. 2003 zog die Familie nach Sindlingen um. 

Mitte der 90-er Jahre begann Ulrike Grohmann erst in einem Fitnessstudio, danach in einem Verein Sport zu treiben.

 „Ich schätze die regelmäßigen Übungszeiten für Walking und Gymnastik“, sagt sie. In Sindlingen animierten Freunde das Ehepaar, eins der dreitägigen „Specials“ der Tanzabteilung des Turnvereins zu besuchen. „Das machte uns so viel Spaß, dass wir in den Verein eingetreten sind“, berichtet die Sportwartin. Etwa zehn Jahre tanzten die beiden dort, bis sie ihre Passion für den Tango Argentino entdeckten, der sie seit einigen Jahren an der Academia de Tango im Frankfurter Osten nachgehen.

„Gleichzeitig habe ich mit Walken angefangen“, berichtet Ulrike Grohmann. „Das ist ein tolles Angebot, es findet das ganze Jahr durchgehend statt, jeder kann mitgehen. Man bewegt sich zusammen und tauscht sich aus“, sagt sie. Irgendwann fing sie zusätzlich mit Yoga an. 

Heute ist der Sohn längst aus dem Haus. Die Ökotrophologin ist als freie Redakteurin für ein Fachmagazin tätig und hält Vorträge. 

Als Spezialistin für Seniorenernährung gibt sie auch Kurse, zum Beispiel Kochkurse für Ehrenamtliche, die Demenzkranke betreuen. Sie ist Mitglied im Förderverein Buchstütze der Stadtteilbücherei und schätzt die Lesungen, die der Verein ausrichtet. 

Als Sportwartin und nun auch Abteilungsleiterin Fitness und Gesundheit im Turnverein will sie versuchen, möglichst vielen Menschen Spaß an Bewegung zu vermitteln – und damit auch den Fortbestand möglichst aller Kurse zu sichern. hn

TVS bittet um Spenden

TVS bittet um Spenden

Wettbewerb Altkleidersammlung

Der Turnverein beteiligt sich an einem Vereinswettbewerb der Frankfurter Entsorgungs- und Service-GmbH (FES) zur Altkleidersammlung. Ab sofort und bis zum 30. September können alle Bürger abgelegte Klamotten auf den Platz vor der Sporthalle (Mockstädter Straße) bringen. Dort steht ein Container dafür bereit. 

Die FES ermittelt nach Ende der Aktion das Gesamtgewicht der darin abgegebenen Kleider und legt es um auf die Zahl der Mitglieder. Der Verein, der das höchste Gewicht pro Kopf schafft, erhält 5000 Euro, für Platz Zwei gibt es 3000, für Platz Drei 2000 Euro für die Vereinskassse.

 Insgesamt beteiligen sich 29 Frankfurter Vereine an der Sammlung. Spenden dürfen alle Bürger, auch wenn sie keine Mitglieder sind. Eine detaillierte Übersicht und eine wöchentlich aktualisierte Reihenfolge über den jeweiligen Sammel-Sachstand gibt es im Internet unter http://www.fes-frankfurt.de ffm/simobla

TVS bittet um Spenden

TVS bittet um Spenden

Grünabfall im Betonring

Grünabfall im Betonring

Friedhof Holzkörbe verwittern zu schnell

Wozu sind die großen Betonringe auf dem Friedhof gedacht? Mehrere Bürger wandten sich an Albrecht Fribolin mit der Bitte um Auskunft.

Der Ortsbeirat (CDU) erkundigte sich beim Grünflächenamt und erfuhr, dass die Betonringe die bisherigen Holzkörbe für pflanzliche Abfälle ersetzen sollen, weil diese relativ schnell verwittern. Außerdem seien die neuen, unverwüstlichen Ringe mit einem Fassungsvermögen von zwei bis drei Kubikmetern größer, können also mehr Biomasse aufnehmen. Gleichzeitig wird die Leerung erleichtert. Allerdings können die Wege von den Gräbern zu den Abfallbehältern länger werden, weil weniger Behälter aufgestellt werden als zuvor. 

Die Ringe werden in den Boden eingelassen und mit Plastiklatten verkleidet, damit sie schöner aussehen. Auch die Holzlatten der Körbe für Plastikabfälle werden durch stabile Kunststofflatten ersetzt. 

Ferner erkundigte sich Albrecht Fribolin über die Sanierung der Sandstein-Friedhofsmauer. Sie ist an mehreren Stellen beschädigt. . Die Arbeiten seien ausgeschrieben worden, hat er erfahren. Leider habe sich aufgrund der guten Lage im Bauhandwerk bis heute keine Firma darum beworben. Das Friedhofsamt hoffe, dass sich die Situation nach Ende der Ferien bessern wird, berichtet der Ortsbeirat. Gleichzeitig weist das Amt darauf hin, dass der Efeubewuchs der Mauer komplett entfernt wird, weil er als Hauptursache für den schlechten Zustand angesehen wird. hn

Sindlinger Erinnerungen – Geschichtsverein Stadtteilkalender 2019

Sindlinger Erinnerungen

Geschichtsverein Stadtteilkalender 2019

Eine alte Ansichtskarte aus Sindlingen schmückt das Titelblatt des neuen Stadtteilkalenders 2019, den der Sindlinger Geschichtsverein traditionsgemäß während des Ranzenbrunnenfests am 1. September zum Sonderpreis von sechs Euro anbieten wird.

Der Kalender enthält wieder eine Sammlung von Fotografien aus der jüngeren Vergangenheit des Ortes. So erinnern die Fotos unter anderem daran, dass im Januar 1919 Herbert von Meister, dem Sindlingen viel verdankt, verstorben ist. Außerdem zeigt der neue Kalender etliche Gruppenbilder, zum Beispiel den Buben-Jahrgang 1939 und die Erstkommunionkinder des gleichen Jahres. An die Einweihung des Turnerheims vor 90 Jahren erinnert ein weiteres Foto, ebenso kann man die farbenprächtige Fahne des 1909 gegründeten Krieger- und Militärvereins bewundern. Wie immer umfasst der Kalender 12 große Bilder, eins für jeden Monat. 

Nach dem Ranzenbrunnenfest ist der Kalender in Sindlinger Geschäften für sieben Euro zu haben: bei ehemals Axel Wagenknecht, Nikolaus Moos sowie Anneliese, beziehungsweise Fritz Hedtler. df

 

Bischof mischt sich unters Volk

Bischof mischt sich unters Volk

RANZENBRUNNENFEST Georg Bätzing besucht die katholische Gemeinde und feiert mit

Hohen Besuch erwartet die katholische Gemeinde zum Ranzenbrunnenfest am 1. September. Der Limburger Bischof Georg Bätzing wird sich ab 19 Uhr unters Volk mischen. Er soll erleben, wie die Gemeinde in den Ort hineinwirkt und welche Kontakte und Bindungen es zu den Vereinen gibt, sagt Wolfgang Schuhmann. Der Chef-Organisator der katholischen Feste gehört zum Vorbereitungsteam des Vereinsrings für das Stadtteilfest und bereitet den Besuch des Bischofs in Sindlingen vor.

Der ist Teil eines dreitägigen Programms, das den Kirchenmann auch nach Zeilsheim, Unterliederbach, Höchst und Sossenheim führt, also in die neue Großpfarrei St. Margareta. „Jeder Bischof ist dazu verpflichtet, alle seine Pfarreien im Abstand von vier bis sechs Jahren zu besuchen“, sagt Schuhmann. Georg Bätzing bat bei der Vorbereitung darum, nicht das traditionelle Programm mit Vorstellung der einzelnen Gemeindegruppen von der Kita bis zum Seniorenkreis zu durchlaufen, berichtet Sonja Peters vom neuen Familienkreis 2.0. „Er will sehen, wo in seinen Gemeinden Pflanzen wachsen“, sagt sie. Daher bot es sich an, ihn zum Straßenfest in der Huthmacherstraße und auf dem Kirchvorplatz zu bitten. „Weil wir als Teil des Stadtteils so wichtig sind und hineinleben, wird unser Stand in der Mitte sein“, sagt Sonja Peters. Etliche Vereine nutzen die Räume des Gemeindehauses, die katholische Gemeinde ist zudem eine der Wurzeln des Ranzenbrunnenfests. „Ganz am Anfang haben wir sogar noch einen Stand zusammen mit der evangelischen Gemeinde gehabt“, erinnert sich Wolfgang Schuhmann: „Die Evangelischen haben gegrillt und wir haben die Getränke beigesteuert.“

Am Stand sollen weitere „Pflanzen“ vorgestellt werden, die gut gegossen werden und gedeihen, etwa der „Lebendige Adventskalender“ und die Kirchweih mit der Kür des Apfelweinkönigs. „Wir wollen aber auch zeigen, was noch gegossen werden muss“, so Sonja Peters, „zum Beispiel die Ökumene“. Besucher werden aufgerufen, Gießkannen mit den Wünschen für die und an die Gemeinde zu beschriften und für Kinder gibt es eine Pflanzaktion. Der Frauenchor Germania wird den Bischof mit einem Auftritt in der Kirche St. Dionysius begrüßen. Anschließend kann er sich unters Volk mischen, ein Klosterbier beim Familienkreis, einen Apfelwein beim Gesangverein oder einen Kaffee beim Familienkreis 2.0 genießen. Dieser jüngste Ableger der Gemeinde für Familien mit kleineren Kindern ist eine erste, neue Blüte, „ein zartes Pflänzchen, das wachsen kann“, sagt Sonja Peters. Die Mitglieder sind größtenteils selbst Kinder des „alten“ Familienkreises.

Die dreitägige Visite Bätzings beginnt am Freitag, 30. August, um 9 Uhr mit einem Treffen der Kita-Leitungen in der katholischen Kita St. Kilian in Sindlingen. Anschließend sind Besuche im Industriepark und im Zeilsheimer Gemeindehaus St. Bartholomäus geplant sowie der Besuch der Pfarrgemeinderatssitzung ebendort. Am Samstag ab 9 Uhr gibt es Gespräche mit den Pfarrern, einen Besuch in der grünen Kirche im Höchster Stadtpark, Termine in Sossenheim und St. Josef in Höchst, ehe Gemeindereferentin Claudia Lamargese den hohen Gast dort abholt und nach Sindlingen zum Ranzenbrunnenfest bringt. Am Sonntag, 2. September, zelebriert Georg Bätzing den 10-Uhr-Gottesdienst in St. Dionysius. Danach gibt es einen Frühschoppen, bei gutem Wetter auf dem Kirchplatz und bei schlechtem im Gemeindehaus. „Wir rechnen mit 300 bis 350 Besuchern zum Gottesdienst“, sagt Wolfgang Schuhmann und ist froh, „dass wir hier so viele Helfer haben, dass wir das stemmen können.“

Neuer Nähkurs in Nord

Neuer Nähkurs in Nord

Ab sofort gibt es einen neuen Nähkurs in Sindlingen-Nord. Jeden Mittwoch von 9 bis 11.30 Uhr erhalten Nähinteressierte Hilfe beim Anfertigen eigener Näharbeiten. Einzige Voraussetzung ist, dass die Interessierten mit der Nähmaschine umgehen können. Eine Nähmaschine kann gestellt werden. Das Quartiersmanagement organisiert den Kurs in der Albert-Blank-Straße 4. Die Teilnahme kostet nichts, jedoch müssen die Materialien bezahlt werden. Außerdem erhebt das Quartiersmanagement bei der Anmeldung eine Kaution von 20 Euro, die bei regelmäßiger Teilnahme vor den Herbstferien wieder zurückgezahlt wird. Es gibt maximal acht Plätze. Anmeldungen sind telefonisch beim Nachbarschaftsbüro unter der Nummer (069) 37 56 39 720 möglich. 

Für Bernd Müller erfüllt sich ein Traum

Für Bernd Müller erfüllt sich ein Traum

KCR-Triathlon Sechs Sindlinger beim Ironman Frankfurt – Einer wird Europameister

Von Alexander Gleiß

Ein Schwimmstart, der dich atemlos lässt, eine Radstrecke inmitten einer wunderschönen Landschaft und eine Laufstrecke vor Frankfurts Skyline mit tausenden, jubelnden Zuschauern – Dieses Spektakel erlebten sechs Athleten der erst im Januar 2014 gegründeten Triathlonabteilung des KCR-Sindlingen

Sie meldeten sich für die 3,8 Kilometer Schwimmen, 185 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen des „Ironman Frankfurt“-Wettbewerbs an. Das hieß für sie im Vorfeld, monatelanges Training bei allen Wetterlagen zu absolvieren. Im Winter im Dunkeln mit der Stirnlampe laufen, im Sommer bereits um 5.30 Uhr auf dem Rad, damit man einigermaßen ungestört trainieren kann. 

 Zu einem abschließenden Trainingslager fuhren die Athleten des KCR im Mai an den Attersee im Salzkammergut/Österreich. Hier holten sie sich den letzten Schliff in allen drei Disziplinen. Ob es das Schwimmen im türkisfarbenen Attersee war, das Radfahren in den Höhenlagen des Salzkammergutes oder das Laufen um den See, es brachte alle weiter und sie freuten sich auf den längsten und härtesten Sporttag des Jahres.

Am 8. Juli 2018 war es dann soweit. Bei den meisten klingelte der Wecker bereits um 3.30 Uhr. Ein kurzes, schnelles Frühstück, Beutel nochmals überprüfen, ob auch nichts vergessen wurde, und schon ging es mit dem Auto zum Langener Waldsee. Hier warteten nicht nur die Triathlonräder, die bereits am Vortag eingecheckt wurden, sondern auch tausende Zuschauer, laute, motivierende Musik, viele Freunde, Vereinsmitglieder und Bekannte. Kurzer Check am Rad, Trinkflaschen füllen, Riegel verstauen und schon machten sich die Sportler bereit, den Neopren-Schwimmanzug anzuziehen.

Um 6.30 Uhr stürzten sich die Profis ins Wasser, zwei Minuten später die Profi-Frauen. Um 6.40 Uhr durften die Hobbytriathleten starten. Alle versuchten, gleich eine gute Position zu erreichen und auf der besten Linie zu schwimmen. Nach der Wende an der ersten Boje wurden die Schwimmer durch die aufgehende Sonne geblendet, die sich im Wasser spiegelte und es schwer machte, die richtungsweisenden Bojen zu sehen. Alle KCRler kamen mit kurzen Abständen heil von der Schwimmstrecke an Land. 

Neoprenanzug aus, Radbekleidung an und ab ging es auf die 185 Kilometer lange Radstrecke. Sie führte nach Frankfurt und von dort bis hoch nach Friedberg zum Wendepunkt. Diese Runde mussten die Sportler zwei Mal bewältigen. 

Die Athleten des KCR benötigten für die 185 Kilometer Radstrecke zwischen 5.54 und 6.30 Stunden. Anschließend ging es am Eisernen Steg auf die Laufstrecke. Sie führte in vier Runden à 10,5 Kilometer beidseits des Mains entlang. Gesäumt von tausenden von Zuschauern konnte jeder Athlet des KCR die Ziellinie am Römer überqueren.

Einen ganz besonderen Erfolg erreichte unser „ältester“ Athlet, Bernd Müller. Er errang in seiner Altersklasse M65 den ersten Platz in einer Zeit von 11.57 Stunden, wurde Europameister und qualifizierte sich für die Weltmeisterschaft am 13. Oktober auf Hawaii. Das ist der Traum eines jeden Triathleten.

Unsere weiteren Teilnehmer vom KCR waren Alexander Gleiß in einer Zeit von 11.56 Stunden, Uwe Kleinschmidt in 12.41, Christoph Semsch in 12.51, Rene Mamet in 13.06, Tobias Adner in 13.12 und Michael Reis in 14.09 Stunden. 

Wir vom KCR Sindlingen sind sehr stolz auf unsere Athleten. Wir machen aber nicht nur Ironman. Gerade eine Woche vorher ging Andreas Vierling beim „Extrem Swiss Man“ mit vier Kilometern Schwimmen, 220 Kilometern Radfahren und 44 Kilometern Laufen mit rund 5000 Höhenmetern an den Start. Weiter starteten Janett Welzl und Andreas Vierling bei der Salzkammerguttrophy, Österreichs größtem Mountainbikerennen über Strecken von 120 Kilometer mit 3800 Höhenmetern oder 211 Kilometern mit 7000 Höhenmetern. Auch bei kürzeren Wettkämpfen sind wir am Start. Wer gerne schwimmt, Rad fährt oder auch läuft darf gerne mal bei uns vorbeischauen. Info´s stehen im Internet unter www.kcr-sindlingen.de.

Uwe Kleinschmidt

Uwe Kleinschmidt

Tobias Adner

Tobias Adner

Alexander Gleiß

Alexander Gleiß

Musik und Vorführungen

Musik und Vorführungen

16 Vereine stemmen das Ranzenbrunnenfest am Samstag, 1. September, im alten Sindlinger Ortskern. 

Wie berichtet wurden die Mainwiesen als Veranstaltungsort aufgegeben. Stattdessen feiern die Sindlinger kompakt in der Huthmacherstraße und auf dem Vorplatz von St. Dionysius. Das Programm ist umfangreich. Nachdem die Kirchenglocken zur Eröffnung geläutet haben, begrüßt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sindlinger Ortsvereine, Klaus Mettin, um 15 Uhr die Gäste. Danach spielt die Gruppe „Saxoprise“ am Ranzenbrunnen. Dort tanzt um 16 Uhr die Purzelgarde des Karnevalsvereins, um 16.30 Uhr zeigt die Hinnerhaus-Crew in der Nähe des Brunnens Hip-Hop. Das tut sie auch nochmal um 17 Uhr in der Nähe der Kirche. Um 17.30 Uhr singt der Männerchor Germania, um 18.15 Uhr tritt eine Zumba-Gruppe des Turnvereins auf und um 19 Uhr singt der Frauenchor Germania zur Begrüßung des Bischofs Georg Bätzing in der Kirche. Ein Clown unterhält die Kinder, außerdem bieten die Kindergärten und der Turnverein zwischen 15 und 18 Uhr Spiele auf der Straße vor dem Parkplatz der Kirche an. 

Der Reiterverein richtet das beliebte Ponyreiten für Kinder im Pfarrgarten aus. Auf dem Kirchvorplatz stehen zudem die Hüpfburg der Freiwilligen Feuerwehr und das Kinderkarussell.

Vom Loch in den Knast

Vom Loch in den Knast

Fünf Flüsse Würfelbrüder radeln von Nürnberg nach Regensburg

Sie treffen sich jeden Sonntag zum Frühschoppen im „Loch“, wie die Gaststätte „Mainlust“ in Sindlingen heißt. Und einmal im Jahr machen sie sich zu einer Radtour in Deutschland auf, seit 1996, nun also zum 22. Mal. Und sie bevorzugen Routen entlang von Flüssen, denn da gibt es kaum Steigungen: Main, Weser, Lahn, Ems, Neckar, Jagst, Ruhr, Spree, Mosel, Saar, Rhein und Bodensee haben die radelnden Würfelbrüder bereits erkundet, und so fiel die Wahl in diesem Jahr auf eine Fünf-Flüsse-Rundfahrt von Nürnberg im Frankenland bis nach Regensburg in der Oberpfalz.

Es ging entlang der idyllisch gelegenen Flüsse Pegnitz, Vils, Naab, Donau und Altmühl durch die historischen Städte Nürnberg, Amberg, Kelheim und Regensburg und durch außergewöhnliche Naturlandschaften über vielseitige Radfernwege. Im Grün der weiten Flussauen radelten die Sindlinger durch stille Täler, fernab vom Verkehr. 210 Rad-Kilometer im Herzen Bayerns legten sie zurück.

Einmalig war eine Übernachtung in der Feste Amberg, einem zu einem Hotel umgebauten Gefängnis. Vom „Loch“ in den „Knast“ war die Parole der Würfelbrüder, die die Nacht in Drei- und Vierbett-„Zellen“ aber gut überstanden. 

Gemütlicher ging es in den traditionellen Gasthäusern mit zünftigen Biergärten zu, wo kulinarische Spezialitäten wie „saure Lüngerl“ und „Krustenbraten“ auf die Radler warteten. Und an köstlichem Bier gibt es in Bayern ja wirklich keinen Mangel.

Ein Höhepunkt war der Besuch des berühmten Klosters Weltenburg am Donaudurchbruch, welches mit dem Schiff von Kelheim aus angesteuert wurde. Im schattigen Klostergarten genossen die Sindlinger bei einer traditionellen „Pilgerpfanne“ das dunkle Weltenburger Klosterbier frisch gezapft. Die Rückreise nach fünf erlebnisreichen Tagen machten die Radler in Regionalzügen der Deutschen Bahn, die – entgegen aller sonstigen Erfahrungen – ausgesprochen pünktlich war. Und das Wichtigste: Alle kamen gesund und munter im heimischen Sindlingen an.

Das Fazit auch in diesem Jahr: Radfahren in den Landschaften Deutschlands ist wunderschön und hält fit. Der blauweiße bayerische Himmel und die köstlichen Speisen und Getränke waren die Krönung für die sieben Sindlinger Radfahrfreunde, die sich schon jetzt auf ihre Tour 2019 freuen. FBO

 „Würfelbrüder“ im Knast: (von links) Teddy Kristic, Wolfgang Scheh, Michael Hedtler, am Pranger Wolfgang Schuhmann, Jürgen Peters, Albrecht Fribolin und Willi Stappert.

„Würfelbrüder“ im Knast: (von links) Teddy Kristic, Wolfgang Scheh, Michael Hedtler, am Pranger Wolfgang Schuhmann, Jürgen Peters, Albrecht Fribolin und Willi Stappert.