Category: Sindlinger Monatsblatt

Cassavia Lieferservice Lieferando zeichnet Lokal aus

Lieferandos Sieger

Cassavia Lieferservice zeichnet Lokal aus

Die Nummer Eins von Frankfurt ist in Sindlingen zu finden: Gennaro Cassavia und sein Team von der Pizzeria Cassavia haben den ersten Platz im „Best Restaurants Awards 2017“ der Lieferkette Lieferando errungen.

Lieferando ist eine der neuen, großen Internetplattformen, die Hungrigen Essen direkt an die Haustür vermitteln. Sindlinger, die sie anwählen, finden die Pizzeria Cassavia in der Auswahl der Restaurants. Ein Klick, und schon taucht die Speisekarte auf. „Neben der Kasse haben wir ein Gerät stehen. Immer, wenn es piept, kommt eine Bestellung über Lieferando oder über unsere eigene App herein. Wir schicken dann die Information zurück, wie lange es dauern wird, bis unser Fahrer klingelt und das Gewünschte an die genannte Adresse bringt“, sagt Gennaro Cassavia. Die Kunden können bei solchen Bestellungen Bewertungen abgeben. Die fielen für den Sindlinger Betrieb so gut aus, dass er zusammen mit 24 weiteren in Frankfurt für den Preis nominiert wurde. Ab da durften die Kunden direkt abstimmen. Sieger wird, wer die besten Bewertungen übers Jahr und möglichst viele direkte Stimmen bekommt. „2016 waren wir der beste Italiener und insgesamt Nummer Drei in Frankfurt. Diesmal sind wir die Nummer Eins von allen“, freut sich der Inhaber: „Wir bedanken uns bei allen, die uns gewählt haben. Ohne die überwältigende Anzahl an Abstimmungen, die wir von unseren Fans erhalten haben, wäre dies niemals möglich gewesen“, teilt er allen Besuchern der gemütlichen Gaststätte in der Sindlinger Bahnstraße 58 auf eigens gedruckten Handzetteln mit: „Es ist eine Ehre, offiziell für etwas ausgezeichnet zu werden, was wir jeden Tag liebend gerne tun. Die Leidenschaft für unser Restaurant wird jetzt nur noch weiter wachsen. Guten Appetit!“

Italienisch à la carte: Was (von links) Gennaro Cassavia, Giancarlo Sedita und Mauro Accettura kochen, schmeckt den Gästen im Lokal und zuhause. Foto: Michael Sittig

Italienisch à la carte: Was (von links) Gennaro Cassavia, Giancarlo Sedita und Mauro Accettura kochen, schmeckt den Gästen im Lokal und zuhause. Foto: Michael Sittig

Es geht aber auch per Telefon

Selbstverständlich können die Gerichte auch direkt per Telefon bestellt werden, und zwar unter der Nummer 37 34 93.

 

Gaudi auf der närrischen Alm

Gaudi auf der närrischen Alm

Sindlinger Karnevalverein Prunksitzung diesmal sogar mit Protokoll

Lächelnd, leichtfüßig, wie schwerelos wirbelte Solistin Jana Schröder über die Bühne. Seit fünf Jahren können die Fastnachter dem Tanzmariechen des Ersten Sindlinger Karnevalvereins beim Wachsen zusehen, körperlich wie tänzerisch. Der kräftige Beifall am Ende ihres Solos galt ihr wie Trainerin Bianca Seelmann.

Tanzmariechen Jana Schröder

Tanzmariechen Jana Schröder

Schon für Janas Auftritt bei der Prunksitzung des Ersten Sindlinger Karnevalvereins hätte die Bühne im ehemaligen Bürgerhaus nicht kleiner sein dürfen. Das galt erst recht beim gemeinsamen Marsch von Tanzkäfern und Giants. „Beide Gruppen sind zur Zeit im Umbruch“, sagte Sitzungspräsident Peter Thalau, der gewohnt souverän durchs Programm führte. Damit trotzdem alle auftreten können, übten die Trainerinnen Saskia Eichhorn und Andrea Schröder mit den Sieben- bis Zehnjährigen und Zehn- bis Fünfzehnjährigen einen gemeinsamen Marsch ein. „Es war nicht ganz einfach, die beiden Gruppen, die tänzerisch auf unterschiedlichem Niveau sind, zusammen zu bringen“, erläuterte Andrea Schröder. Doch das Experiment ist gelungen, das Ergebnis sehenswert.

Die Tanzkäfer verbreiten Hüttengaudi

Die Tanzkäfer verbreiten Hüttengaudi

Das galt auch für die folgenden Schautänze. Die „Purzel“ (vier bis sieben Jahre) drehten in Dirndln ihre Runden, die Tanzkäfer übermittelten bei ihrer „Hüttengaudi“ in kurzen Lederhosen viel Freude und Fröhlichkeit. Beide nahmen damit das Motto der Prunksitzung „Auf der Alm“ auf. Die Giants dagegen bewiesen mit ihrem Schautanz „Ausbruch aus dem Gefängnis“, dass sie würdige Nachfolgerinnen der großen Garde „Firestars“ sind, die stets ausgefallene und aufwändige Schautänze vorführte. Die Firestars selbst gingen diesmal neue Wege und Schritte mit einem Tanz zu Musik von DJ Bobo.

Die Giants

Die Giants

und die Firestars

und die Firestars

Welch ein Kontrast zum Männerballett. Die Truppe brachte einen Maibaum als Mittelpunkt ihres Ringelreihens in Dirndln und Lederhosen mit. Da einige der Herren recht kräftig gebaut sind und sich auch noch mit reichlich Füllmaterial und Perücken in dralle Blondinen verwandelten, wirkte das weniger elegant als vielmehr äußerst lustig.

Die "Schoppedales"

Die „Schoppedales“

Die Lachmuskeln strapazierten die Gast-Büttenredner Hänschen Preissl („Ein Franzose in Frankfurt“), Klaus Jürgen Eisenbach („Ein Hausmann“) und vor allem Tobias Huhn vom Krifteler Karneval Klub („Ein werdender Vater“). Mit Roswitha Adler, Sitzungspräsidentin der Sindlinger Weiberfastnacht, hat der SKV aber auch ein Büttentalent in den eigenen Reihen. „Es geht immer ein bisschen gegen die Männer“, zwinkerte sie als „Ein Callgirl“.

Guter Ton für Rose Adler

Guter Ton für Rose Adler

Eher im Halse stecken blieb das Lachen manchem bei einem seltenen Beitrag. Seit vielen Jahren fehlt dem SKV ein Protokoller. Nun jedoch hat sich in Sindlingen so viel getan, dass Vorstandsvorsitzender Michael Streubel in die Bütt stieg: „Sowas gibt immer mei`m Herz en Stich, denn früher gab es sowas nicht!“ lautete sein Credo. Sei es die Radwegeführung am Ortsmittelpunkt Dalles, der Schulverkehr durch Wohngebiete, das geplante Baugebiet im Feld zwischen den S-Bahn-Gleisen, der Gestank aus dem Industriepark, Überfälle oder der Kauf des Bunkers, den keiner will: „Es war meist Mist, was hier bei uns geschehen ist“, fasste Streubel zusammen. Das galt natürlich auch für die Absage des SKV-Kinderfastnachtszugs am Rosenmontag. „Man sollte meinen, dass sich hier Kulturen einen“, reimte er, doch das Gegenteil sei der Fall gewesen.

Der Protokoller Michael Streubel

Der Protokoller Michael Streubel

Als dann auch noch die Stadt den Zuschuss halbierte, gefühlt 100 Seiten Anträge auszufüllen waren und sich nur vier Teilnehmer anmeldeten, entschied der Vorstand: „Schweren Herzens kam schließlich `raus: Der Kinnerumzug, der fällt aus.“ Doch zumindest im Saal lebt die Sindlinger Fastnacht. Anteil daran hatten auch die Zigeunergruppe der KG Hofheim und das Brass und Drum Corps Kriftel. Die Hofheimer „Zigeuner“ sind seit Jahren als „Anheizer“ Garanten für gute Laune. Die Krifteler, erstmals dabei, erwiesen sich als Glücksgriff. Schwungvoll und mitreißend brachte das Ensemble die Zuschauer nach der Pause rasch wieder in Stimmung.

Im zweiten Teil besuchten auch Gäste aus Frankfurt die Sindlinger Narren. Erst grüßte Oberbürgermeister Peter Feldmann, dann das Frankfurter Prinzenpaar Mathias I. und Conny I. hn

OB Feldmann

OB Feldmann

das Frankfurter Prinzenpaar Mathias I. und Conny I.

das Frankfurter Prinzenpaar Mathias I. und Conny I.

Besondere Gäste

Besondere Gäste

Etliche Ehrengäste begrüßte Sitzungspräsident Peter Thalau auf der närrischen Alm des Sindlinger Karnevalvereins: den Landtagsabgeordneten Uwe Serke (CDU) und seine Frau Susanne, Ortsvorsteherin im Ortsbeirat Sechs, den Stadtverordneten Sieghard Pawlik (SPD); die Ortsbeiräte Albrecht Fribolin (CDU) und Alexander Schott (SPD), den ehemaligen Ortsbeirat Claus Lünzer (SPD), Sozialbezirksvorsteherin Gisela Lünzer, den Stadtbezirksvorsteher Sindlingen-Nord, Roland Haschke (SPD), die Kandidatin der CDU für das Amt des Oberbürgermeisters, Bernadette Weyland, die Mitglieder des Vorstands des Ehrensenats Norbert Dörholt, Alfons Buschen, Karl-Heinz Kümmeth (der mit im Elferrat saß), Ruht Frischkorn und Dieter Sänger sowie Werner Schmidt, Mitbegründer des Ehrensenats, den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Sindlinger Ortsvereine, Andreas Rühmkorf, den Vorsitzenden des Turnvereins Sindlingen, Michael Sittig, und Mary Berk mit dem Zeilsheimer Roten Kreuz, das den Sanitätsdienst leistete. Für Bühnenbild und Technik zeichneten Claus Hoß und die Mitglieder des Männerballetts verantwortlich. Die Bewirtung im Saal übernahmen junge Fußballer.

Närrische Weiber feiern Fastnacht

Närrische Weiber feiern Fastnacht

„Ein bisschen Spaß muss sein“: Mit diesem Lied auf den Lippen und in Clownskostümen zog die Frauengruppe des Sindlinger Karnevalvereins in den Saal des katholischen Gemeindehauses St. Dionysius ein und eröffnete die Weibersitzung.

Rund 100 närrische Damen in teils ausgefallenen Kostümen orderten vorzugsweise Wein, Sekt und „Klopfer“ bei drallen Bedienungen in kurzen Kleidchen und mit blonden Zöpfen. Wie immer zogen die Mitglieder des SKV-Männerballetts „Schoppedales“ Damenkleidung an und übernahmen die Bedienung. Nur während ihres eigenen Auftritts sowie beim gemeinsamen Tanz mit der Garde „Firestars“ mussten sich die Zuschauerinnen ein wenig gedulden.

Die Frauengruppe sorgte mit verschiedenen Playback-Auftritten zu Ohrwürmern für Stimmung. Unterstützt wurde sie, neben Männerballett und Firestars, von der SKV-Garde Giants und Solotänzerin Jana Schröder. „So soll ein Tanzmarichen sein, jung und mit schlankem Bein“, reimte Sitzungspräsidentin Rosi Adler. Die Fastnachterin im besten Alter stand selbst als „Tanzmariechen“ auf der Bühne, allerdings nicht zum Tanzen, sondern als Büttenrednerin. Bei einer Weibersitzung dürfen kleine Anzüglichkeiten und nackte Männerbrüste nicht fehlen. In einem Sketch brachte Elke Streubel „Kartoffelbauer“ Joschi Czich dazu, sich bis auf die dekorative Unterkleidung auszuziehen. SKV-Vorstandsvorsitzender Michael Streubel schilderte die Unannehmlichkeiten, die ihm nach der falschen Einnahme von Viagra widerfuhren. Bernd Bruch kam als Schneewittchen; offiziell ist er zwar Fastnachtsrentner, inoffiziell macht er aber doch noch den einen oder anderen Auftritt. Die „Colour Sisters“ aus dem Westend, drei beleibte Herren in kniehohen Lackstiefeln, tanzten zu „Cabaret“ und „Je t’aime“. „Erotik pur“, lobte Rosi Adler. Sexy und artistisch und leider zum letzten Mal tanzte später „Dancing Disaster“ vom TV Okriftel. „Die Jungs beenden zum Leidwesen aller Frauen ihre Karriere“, bedauerte die Präsidentin: „Den Weibersitzungen wird in Zukunft etwas fehlen.“

Nach dem Ende des Programms sorgte DJ Olli Fröhlich mit Stimmungsliedern dafür, dass die Weibersitzung als Party endete. hn

Bei der Weiberfastnacht ging‘s hoch her.

Bei der Weiberfastnacht ging‘s hoch her.

Sitzungspräsidentin Rose Adler

Sitzungspräsidentin Rose Adler

Ein Adler und ein Römerschild

Ein Adler und ein Römerschild

Am Tag nach der großen Prunksitzung wurden zwei Mitglieder des Sindlinger Karnevalvereins beim Neujahrsempfang des Großen Rates im Frankfurter Römer ausgezeichnet. Lisa Wehner, Tänzerin der Garde „Firestars“, erhielt den „Goldenen Frankfurter Adler“. Ihn verleiht der Große Rat der Frankfurter Karnevalvereine auf Vereins-Antrag für eine mindestens 20-jährige aktive Tätigkeit für die Fastnacht. Der Vorstandsvorsitzende des SKV, Michael, Streubel, hat den Adler schon vor einigen Jahren erhalten. Diesmal wurde er für seine über 25-jährige närrische Aktivität mit dem „Römerschild zum Goldenen Frankfurter Adler“ ausgezeichnet. ms

Ehrenvorsitzender Dieter Sänger (links) begleitete Lisa Wehner und Michael Streubel zum Neujahrsempfang mit Ehrung.

Ehrenvorsitzender Dieter Sänger (links) begleitete Lisa Wehner und Michael Streubel zum Neujahrsempfang mit Ehrung.

Jetzt sind alle St. Margareta

Jetzt sind alle St. Margareta

Katholische Kirche Bischof Bätzing segnet die neue Großpfarrei

Eine neue Bildtafel ist nun im Besitz der katholischen Kirche St. Dionysius. Sie zeigt die Heilige Margarete, Namensgeberin der Großpfarrei, zu der sich fünf bislang eigenständige Gemeinden zusammengetan haben.

Ende Januar feierten Gläubige aus den fünf Gemeinden St. Dionysius/St. Kilian, St. Bartholomäus (Zeilsheim), St. Josef (Höchst), St. Johannes-Apostel (Unterliederbach) und St. Michael (Sossenheim) die Gründung der Großpfarrei in der Höchster Justinuskirche. Frankfurts älteste Kirche wurde bereits 1298 der Heiligen Margarete geweiht.

Wie der Sindlinger Patron Dionysius ist Margarete von Antiochien eine Märtyrerin, die enthauptet wurde und seit dem siebten Jahrhundert in der katholischen Kirche als Nothelferin verehrt wird. Sie gilt als Patronin der Bauern, Hirten und Frauen, insbesondere der Gebärenden und bei allen Wunden.

Bischof Georg Bätzing erklärte die Justinuskirche zur Pfarrkirche und segnete die Bildtafeln für die Gotteshäuser in den fünf Stadtteilen. Gemeinsam mit ihm begingen Angehörige aller fünf Gemeinden den Festgottesdienst, der aus Platzgründen in der Höchster Josefskirche gefeiert wurde.

Mit dem Bischof zelebrierten Stadtdekan Johannes zu Eltz, die Pfarrer Martin Sauer und Christian Enke die Feier, unterstützt von den Pfarrern Albert Seelbach und Wolfgang Steinmetz, Monstignore Michael Metzler, Frater Joseph Clifford, Pfarrer i.R. Richard Weiler, Pfarrer Aaron Samuel von der eritreisch-orthodoxen Gemeinde und Matthias Thiel aus Unterliederbach, der sich derzeit in der Priesterausbildungbefindet.

Die Stadtteilkirchen bleiben bestehen. Sie sind das Gerüst der föderalen Großpfarrei. simobla

Zur Segnung der neuen Großpfarrei kam der Limburger Bischof Georg Bätzing (links) nach Höchst. Pfarrer Martin Sauer war einer der Mitzelebranten. Foto: Michael Sittig

Zur Segnung der neuen Großpfarrei kam der Limburger Bischof Georg Bätzing (links) nach Höchst. Pfarrer Martin Sauer war einer der Mitzelebranten. Foto: Michael Sittig

Lothar Kleber begleitet als Alleinunterhalter nicht nur die katholische Fastnacht

Es begann mit dem Schifferklavier

Porträt Lothar Kleber begleitet als Alleinunterhalter nicht nur die katholische Fastnacht

Tusch, Narrhallamarsch, Einmarsch: Wenn Büttenredner und Gardetänzer bei der katholischen Fastnacht auf die Bühne kommen, begleitet Lothar Kleber den Einzug. Schon bevor die Moderatoren den Fastnachtsabend eröffnen, sitzt er an seinem Keyboard und spielt Stimmungsmusik. Bei Umbaupausen zwischendurch bringt er die Besucher mit Klassikern der Karnevalsmusik zum Schunkeln und selbstverständlich setzt er auch bei Pointen den Tusch.

Lothar Kleber, 71 Jahre, ist Alleinunterhalter. Seit über zehn Jahren kennen ihn die Sindlinger als unauffälligen, aber unverzichtbaren Begleiter der katholischen Fastnacht sowie der Seniorenfastnacht der Arbeitsgemeinschaft Sindlinger Ortsvereine. Auch bei der Kür des Apfelweinkönigs war er jahrelang dabei. Sein Repertoire ist immens, reicht von der „Frau Rauscher“ über Walzer und Märsche bis hin zu Swing und Evergreens. Dabei ist er einer der letzten seines Fachs, die noch selbst in die Tasten greifen. Denn die elektronische Revolution erlaubt es heute nahezu jedem, mit Hilfe der entsprechenden Geräte Musik zu spielen.

Lothar Kleber dagegen ist Musiker von klein auf. „Hiermit fing es an“, sagt er und zeigt auf ein altes, rotes Schifferklavier mit 15 bernsteingelben Tasten und 12 Bässen. „Mein Vater brachte es eines Tages nach Hause. Er hatte es für fünf D-Mark erstanden. ‚Der Bub lernt Akkordeonspielen‘, bestimmte er. Da war ich etwa fünf Jahre alt“, erzählt der Eddersheimer. Also ging’s einmal in der Woche zu einer Akkordeonlehrerin. „Das erste Vierteljahr war quälend. Fingerübungen, Notenlehre“, berichtet er von zähem Beginn. Doch als die ersten Melodien gelangen, „hat es Spaß gemacht“. Nach drei, vier Jahren erhielt er ein größeres Instrument. Seine Lehrerin dirigierte ein Akkordeonorchester, dem er sich anschloss. Als es aufgelöst wurde, trat er mit zwölf Jahren ins Flörsheimer Akkordeonorchester ein. Etwa fünf Jahre spielte er dort mit. „Dann kamen Mitte der 60-er Jahre die Keyboards auf“, sagt er. Damit war er fürs Akkordeon verloren.

Die elektronischen Töne faszinierten ihn. „Meine ersten beiden Keyboards habe ich mit Bausätzen selbst zusammengelötet, hier auf dem Küchentisch“, schmunzelt er. Keyboard zu spielen war damals sehr modern. Zusammen mit einem Gitarristen und einem Schlagzeuger bildete er das Trio „Die Tongas“ und war fortan an den Wochenenden auf Achse. „Damals gab es noch viele Veranstaltungen, bei denen richtig getanzt wurde“, berichtet er: „Wir haben überall Musik gemacht.“

Mit den „Tongas“ auf Tour

Auf vier, in Glanzzeiten sogar sechs Mitglieder wuchs die Band.

Ab Mitte der 70-er Jahre jedoch näherte sich die Ära der großen Saaltanzveranstaltungen dem Ende. Diskotheken kamen auf. Gleichzeitig forderten Beruf und Familie ihren Tribut. Lothar Kleber arbeitete nach einer Ausbildung zum Chemielaboranten und Weiterbildung zum Betriebstechniker in einem Chemiehandelsunternehmen in Frankfurt. Er heiratete, eine Tochter kam zur Welt. Auch seine Musikerkollegen setzten nun andere Schwerpunkte im Leben. Die Band löste sich auf.

Lothar Kleber, dessen Frau Inge 30 Jahre lang im katholischen Kindergarten Sindlingen arbeitete, schloss sich mit ihr dem katholischen Familienkreis Sindlingen an. Ab und an begleitete er dort eine Feier. Die Musik blieb sein Hobby.

Vor etwa zehn Jahren begann Lothar Kleber, Sindlinger Veranstaltungen musikalisch zu begleiten. Daneben hat er noch weitere feste Termine während der Fastnacht und ist bei privaten Feiern als Alleinunterhalter gefragt. Dem Namen macht er alle Ehre, denn mit seinem Gerät ersetzt er leicht eine ganze Band. Die Keyboards wurden immer besser. Anfangs gab es nur Rhythmus, heute kann jedermann mit so genannten Midi-Files alles abspielen. „Das ist wie bei einem Diskjockey, der Platten auflegt“, sagt er. Der Liedtext erscheint wie beim Karaoke auf einem integrierten Bildschirm. „Das Lied läuft auf Knopfdruck und klingt wie von der Schallplatte. Und es klingt bei jedem gleich“, sagt er. In der Folge kann jedermann mit der entsprechenden Ausrüstung auftreten.

Am liebsten ist er seine eigene Big Band

Lothar Kleber dagegen spielt selbst. Er unterlegt den Rhythmus, wählt die Klangfarbe und weitere Details und legt los. Am liebsten sind ihm persönlich alte Swingnummern, für die er gerne die Option Big Band wählt.

Bei den Fastnachtsfeiern wird er aber auf die bewährten Stimmungs- und Schunkellieder zurückgreifen. Und natürlich auf Tusch und Narrhallamarsch zum Ausmarsch. hn

Lothar Kleber begleitet seit vielen Jahren die katholische Fastnacht und weitere Veranstaltungen in Sindlingen als Alleinunterhalter. Foto: Michael Sittig

Lothar Kleber begleitet seit vielen Jahren die katholische Fastnacht und weitere Veranstaltungen in Sindlingen als Alleinunterhalter. Foto: Michael Sittig

Der possierliche Sindlinger darf nicht sterben

Der possierliche Sindlinger darf nicht sterben

Kappensitzung in St. DionySIus Besucher starten Raketen für „Grzimeks Enkel“ und weitere lustige Büttenredner

Ein Tierfreund schoss den Vogel ab bei der Kappensitzung der katholischen Gemeinde St. Dionysius. Alexander Furtwängler kam als „Enkel vom Grzimek“ auf die Bühne des Gemeindezentrums und stellte im Stil der in den 50er und 60er Jahren beliebten Fernsehsendung Bernhard Grzimeks keinen „Platz für Tiere“, sondern einen „Platz für Narren“ vor.

Er widmete sich dem durch Einkreuzungen von Okriftelern, Höchstern und, im schlimmsten Fall, Zeilsheimern! vom Aussterben bedrohten Sindlinger. Die kostümiertenBesucher riefen Ui und Au und lachten sich schier schippelig, als Furtwängler die Lebensumstände des possierlichen und von Hause aus zurückhaltenden Sindlingers schilderte, stets im Gegensatz zu den Artgenossen aus Zeilsheim, die forsch wirken, „ich möchte meinen geradezu aufdringlich“, denn die Nachbarn „wagen sich wie Wildschweine an unsere Vorgärten heran, um dort nach Regenwürmern und Engerlingen zu suchen.“ Der Sindlinger ernähre sich gesund von Leber- und Blutwürstchen, „macht aber auch vor Schweinemett nicht halt. Er ist ein Fleischfresser“, führte Grzimeks Enkel aus.

Einmal im Jahr, an einem Mittwoch, genießt er eingelegten Fisch mit Äpfeln und Zwiebeln. Durch den folgenden Kohlendioxidausstoß trägt er zur Klimakatastrophe bei, „deshalb haben wir keine weißen Weihnachten mehr“, sagte Alexander Furtwängler. Das Sindlinger Männchen sei ohnedies ein Phänomen, denn es könne zwar wochenlang ohne Nahrung auskommen, nicht aber ohne Äppler, Gerstensaft und andere alkoholhaltige Erfrischungsgetränke, „sonst verderrt er der“. Wie es der gebürtige Sindlinger, der in Kelkheim lebt, schaffte, dabei durchgängig ernst dreinzuschauen, bleibt sein Geheimnis. Als er zum Schluss noch auf sein neues Buch „Sindlingen darf nicht sterben“ hinwies, standen die Zuschauer auf, klatschtten und spendeten zweimal die „Rakete“ für besonders gelungene Beiträge.

Davon gab es noch reichlich an diesem höchst vergnüglichen Abend. Monika Dörr aus Zeilsheim bewies, dass auch die Nachbarn etwas drauf haben. Beredt schilderte sie die Leiden des alternden Frauenkörpers: „Was straff war, ist jetzt wabbelweich, wie abgekochtes Suppefleisch.“ Protokoller Max Ilg ging die Ereignisse des vergangenen Jahres durch und reichte dabei eine Spendendose für die von Finanzamt und Gema gebeutelten, verarmten Vereine herum.

Die beiden „Tratschweiber“ Monika Schuhmann und Manuela Teske witzelten wie stets über Bekannte aus dem Ort und verschonten auch ihre Ehemänner nicht. So gesehen, war Gemeindereferentin Claudia Lamargese gut dran, denn „Ich suche einen Mann“ hieß ihr amüsanter Vortrag. Viele Lacher ernteten auch Traudlinde, Sonja und Leif Peters für ihr familiäres „Trigespräch“. Das I-Tüpfelchen dabei waren die trockenen Kommentare, die der junge Mann mit weitgehend unbewegtem Gesicht von sich gab.

Conny Ehret und Susanne Scharmann buchten in Bademänteln als „Sindlinger im Wellness-Hotel“ unter anderem eine Kneip(p)-Kur: „Vom Renato übers Loch in die Cassa und zum Schluss ein Slivovitz“. Albrecht Fribolin sprach über „Die Ballettstunde“, und das aus gutem Grund. Das Männerballett „Die Schneeflöckchen“, zu dem Fribolin gehört, trat zum 30. und letzten Mal in der bekannten Zusammensetzung auf. Diesmal war sogar das „Flöckchen der ersten Stunde“; Michael Hedtler, wieder dabei. Doch die Herren sind in die Jahre gekommen. „Auch wenn sie noch aussehn wie brünstige Hirsche, mer hört die Gelenke bis zum Dalles knirsche“, reimte Fribo und beichtete, dass die Ansprüche nicht mehr so hoch sind: „Die Trainerinnen sind zufrieden, wenn sich zu guter Letzt bei dem Chaos niemand verletzt.“

Der gewohnt grandiose Auftritt des Balletts bildete den krönenden Abschluss, war aber natürlich nicht die einzige Tanzeinlage. Das Tanzmariechen des Sindlinger Karnevalvereins, Jana Schröder, glänzte mit seinem Solo. „Die Tanzraketen“ gefielen mit einer musikalischen Sportschau, für die sich die Kinder wie später die „Flöckchen“ mehrfach umzogen. „Mamas United“ zeigten eine schwungvolle „Reise um die Welt“. Die „Brezelbube“ Michael Ickstadt und Clemens Weißenberger aus Sossenheim sangen „Zur Fassenacht in Sindlingen“ auf die Melodie vom „Blauen Bock“ und über den Äbbelwoi. Eine Hymne auf den Geruch des Handkäses steuerten Peter Teske und Wolfgang Gerhards bei: „Komm, hauch mich an, mein Schatz, ich riech den Handkäs so gern“. Die beiden Mitglieder des Männerchors Germania standen im musikalischen Wettstreit mit sieben Sängerinnen des Frauenchors, die elegisch-sehnsuchtsvoll seufzten: „Du bist so weit weg von mir.“ Die Männer dagegen freuten sich: „Ich bin so weit weg von Dir“. Bloß: Wer kauft jetzt das Bier? hn

Die Tanzraketen.

Die Tanzraketen.

Ein Likörchen fürs Frauenchörchen: Die Germania-Connection. Fotos: Mika Henrich

Ein Likörchen fürs Frauenchörchen: Die Germania-Connection. Fotos: Mika Henrich

Die Schneeflöckchen mit ihren Trainerinnen.

Die Schneeflöckchen mit ihren Trainerinnen.

Die Brezelbuben.

Die Brezelbuben.

Protokoller Max Ilg (oben).

Protokoller Max Ilg (oben).

Wolfgang Gerhards (links) und Peter Teske.

Wolfgang Gerhards (links) und Peter Teske.

Alexander Furtwängler

Alexander Furtwängler

United Mamas

United Mamas

Leif, Sonja und Trautlinde Peters

Leif, Sonja und Trautlinde Peters

Gar lustig ist die Fassenacht

Organisiert hat die katholische Kappensitzung Wolfgang Schuhmann. Unterstützt wurde er von Harald Fischer und Michael Sittig an der Technik sowie Max Reinhard und Leif Peters, die die nötigen Umbauten auf der Bühne besorgten.

Harald Fischer, Albrecht Fribolin, Michael Hedtler, Jürgen Peters, .. Schmoll, Wolfgang Schuhmann, Michael Sittig und Peter Teske alias „Schneeflöckchen“ wird es in dieser Zusammensetzung nicht mehr geben. „Sie brauchen eine Verjüngungskur“, sagte Norbert Schulze: „Interessierte mit und ohne Bauch sind willkommen. Neue Männer braucht der Tanz.“

Durchs mehr als fünfstündige Programm führten Bärbel Gerhards und Norbert Schulze. Sie übten mit den Gästen das Pfläumchenritual, die Rakete und ließen sie zur Melodie von „Jäger aus Kurpfalz“ singen: „Helau, Helau, gar lustig ist die Fassenacht in Sindlingen am Main, in Sindlingen am Main.“

Geschichtsverein – Sindlinger helfen bei der Suche nach Namen

Wer erkennt wen?

Geschichtsverein Sindlinger helfen bei der Suche nach Namen

Schade, dass nicht mehr ältere Sindlinger gekommen sind. Sie hätten vielleicht helfen können, Fotos zuzuordnen. Rund 40 000 Datensätze hat der frühere Archivar des Sindlinger Heimat- und Geschichtsvereins, Karl-Heinz Tratt, seinem Nachfolger Werner Raschke hinterlassen. Tratt hat Orte und Menschen benannt, soweit er es konnte, und die Fotos thematisch gruppiert. Trotzdem bleiben Zigtausend Bilder, die Unbekannte zeigen.

„Bilder ohne Namen verlieren mit der Zeit ihren Wert“, sagte Vorsitzender Dieter Frank bei der Begrüßung von 16 Sindlingern und Ex-Sindlingern, die dem Verein dabei helfen wollten, Erinnerungen zu erhalten. Bei einem „Arbeitsstammtisch“ sollten so viele Namen, Daten und Orte zugeordnet werden wie möglich.

Einen thematischen Schwerpunkt legte Werner Raschke beim Radfahrerverein Germania. Er besteht seit nunmehr 120 Jahren. Obwohl Vorsitzender Alfons Ehry und Mitglied Karl-Josef Neuser in der ersten Reihe saßen, konnten sie naturgemäß bei Aufnahmen aus den frühen 30-er Jahren nicht helfen. So bleibt unbekannt, welche junge Dame als „Germania“ Wacht am Rhein hielt, indem sie auf einer Plattform zwischen Fahrrädern posierte.

Rund 20 Jahre später sind ebenfalls Fotos von einem Korso gemacht worden. „Radfahrerverein Germania Sindlingen 1898 e.V.“ steht auf der Fahne, die ein Radler mit sich führt. „Wir gratulieren zum 50.“ verkündet ein Schild, das zwischen den geschmückten Rädern zweier Herren montiert ist. Aber wem wird gratuliert? Und wo? Vielleicht den befreundeten Radlern in Zeilsheim? Sie gründeten ihren Club 1903, das Foto könnte also von 1953 stammen. „Ja, das ist Zeilsheim“, nicken gleich mehrere zu einer Folge von Aufnahmen.

Zeilsheim 1953? Das würde zu vielen Details passen wie den Häusern im Hintergrund, der Kleidung der Zuschauer und der Sindlinger Radlergruppe. „Vorne links, das ist der junge Gotthard Schlereth“, ruft einer. „Rechts Anton Neder“, ein anderer. „Das ist mein Vater“, freut sich ein Dritter und ulkt: „Damals war jeder Sindlinger ein Radfahrer“, und zwar ein Kunstradfahrer. „Wir haben einige Preise gewonnen, sowohl für die Formation als auch für den Schmuck“, erzählt Alfons Ehry. „Die Räder haben wir am Vortag geschmückt, das war sehr aufwendig. Stahlbogen wurden an den Radschrauben befestigt und mit Krepp, Girlanden und Blumen dekoriert“, ergänzt Karl-Josef Neuser.

Bei jedem Korso dabei war Paul Voigt auf dem Hochrad. „Das hängt noch in unserem Lagerraum an der Wand“, sagt Neuser. Zwei lachende junge Männer auf Einrädern werden als Willibald Hartmann und Alfons Ehry erkannt.

Neben den Radfahrer-Fotos zeigt Werner Raschke 17 weitere, die er gerne ordentlich archivieren würde. Das gelingt nur teilweise. Eine Damenformation, vier kostümierte Herren mit Akkordeon und eben die Aufnahmen von 1931 bleiben namenlose Zeitzeugen.

Trotzdem ist Raschke zufrieden: „Das war sehr ergiebig“, freut er sich. Damit sind wieder ein paar Schritte hin zu einem ehrgeizigen Ziel geschafft. Von den 40 000 geerbten Datensätzen hat der Archivar bislang etwa 9000 Bilder so bearbeiten können, wie er es sich wünscht. „Ziel ist, jedem Bild Namen und Jahreszahlen zuzuordnen und es dann leicht unter verschiedenen Parametern aufrufen zu können“, sagt er. Die Hilfe der Sindlinger wird dabei auch in Zukunft unverzichtbar sein. hn

Wer kennt den Jungen auf dem Fahrrad vorne rechts? Die Frage blieb beim historischen Stammtisch unbeantwortet.

Wer kennt den Jungen auf dem Fahrrad vorne rechts? Die Frage blieb beim historischen Stammtisch unbeantwortet.

Ebenfalls ohne Namen: Drei Damen beim Kunstradfahren.

Ebenfalls ohne Namen: Drei Damen beim Kunstradfahren.

Müll ist ein Dauer-Ärgernis

Müll ist ein Dauer-Ärgernis

Jahresrückblick Teil 2 Auch Verkehr belastet die Bürger

Vom eigenständigen Dorf mit Bürgermeister, Ortspolizei und Rathaus verabschiedete sich Sindlingen am 1. Juli 2017. Dem 100. Jahrestag der Eingemeindung nach Höchst widmete der Heimat- und Geschichtsverein im vergangenen Jahr einen Vortrag.

Die Sindlinger Feuerwehr gab es damals schon. Sie beging 2017 ihr 125-jähriges Bestehen, unter anderem mit einer gigantischen Fahrzeugschau auf der Hoechster Farbenstraße. Die Kleintierzüchter feierten ihr 110-jähriges, die Kolpingfamilie ihr 70-jähriges und der Frauenchor Germania sein 40-jähriges Bestehen.

Im Januar weihte die katholische Gemeinde ihre alte, neue Orgel ein. Sie war zwei Jahre lang in einer Orgelwerkstatt zu Grundreinigung und Sanierung gewesen. Im Februar versuchte die Bürgerinitiative gegen das Neubaugebiet, 1000 Unterschriften zu übergeben. Im März ließ der Industrieparkbetreiber Infraserv wissen, dassauch er nichts von einem neuen Wohngebiet in unmittelbarer Nachbarschaft zur chemischen Produktion hält. Im Mai genoss Sindlingen „Musik uff de Gass“ und Infraserv erklärte, wie die Geruchsmessungen im Stadtteil vor sich gehen. Im August setzte Starkregen etliche Keller unter Wasser. Im Oktober errangen die Sindlinger Gärfreunde die Apfelweinkrone.

Ganzjährig ein Ärgernis: Müll und Verkehr. Die Vermüllung des öffentlichen Raums nimmt überhand. Die Stadtreinigung kommt nicht nach. Die Arbeitsgemeinschaft Sindlinger Ortsvereine sagte ihren Umwelttag ab. Die Ludwig-Weber-Schule dagegen führt Jahr für Jahr die Aktion „Sauberhafter Schulweg“ durch. Dafür wurde sie im Herbst vom hessischen Umweltministerium ausgezeichnet.

Der Verkehr, insbesondere Durchgangsverkehr in Okrifteler und Bahnstraße, belastet nicht nur durch die Masse, sondern auch durch Fahrer, die über Bürgersteige brettern, parken wie sie wollen und generell durch große Rücksichtslosigkeit auffallen.

Ebenfalls problematisch ist die Durchfahrt großer Lastwagen. Anlieger dürfen aber nicht anders, beklagten die Firmen Krämer und Löllmann im Juni. Sie sind im kleinen Gewerbegebiet am südlichen Ortsrand ansässig. Das Problem wurde beim Besuch einer Delegation aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft am „Wirtschaftstag“ angesprochen. Die Unternehmen würden ihre Fahrzeuge gerne über die Baustraße schicken. Doch die ist nur für den Verkehr zum Klärwerk frei gegeben, beziehungsweise zwingend vorgeschrieben.

Mancher Lastwagen zum Klärwerk jedoch erkennt das nicht, sondern versucht es durch den Ort. Das kann schlecht enden, erlebte ein Fahrer im Juni. Er verkeilte sich mit seinem Lastwagen beim Versuch, durch die Schreinerstraße in die Okrifteler Straße einzubiegen. Erst als Anwohner ihr parkendes Auto wegfuhren, gelang das. Das Auto wurde beschädigt, doch das Unternehmen bestritt, dass das auf das Konto seines Fahrers ging. Die Geschädigten blieben auf dem Schaden sitzen.

Auch in Nord gab und gibt es viele Klagen über Raser, Raser auf Schleichwegen und Park-Rüpel sowie den Dauerbrenner Verkehr zur Internationalen Schule. Die SPD thematisierte das alles bei einem Bürgergespräch. Bei einem weiteren Gespräch wurden viele Klagen über unpünktliche und unzuverlässige Busse und S-Bahnen laut.

Ein Thema blieb und bleibt auch der gefällte Stamm der Friedenseiche. Die Baumleiche liegt wenig ansprechend in einem Beet. Wünsche aus der Bürgerschaft, das tote Holz zu entfernen und eine Baumscheibe mit Informationen zur Bedeutung des Baums aufzustellen, sind dem Magistrat zu teuer.

Zwei neue Vereine haben sich 2017 gegründet: ein Förderverein für die Ludwig-Weber-Schule und ein Förderverein für die Meister-Schule.

Der Dachverband der Vereine, die Arbeitsgemeinschaft Arge Sov, gelangte 2017 wieder in ruhigeres Fahrwasser. Der jahrelange Streit mit dem Finanzamt ist überstanden, allerdings wurde dem Dachverband der Vereine ein Teil seines Geldes genommen. Das erschwert die Ausrichtung von Weihnachtsmarkt, Ranzenbrunnenfest und Seniorenfastnacht. Dank Unterstützung durch das Quartiersmanagement war wenigstens das kleine Kinderkarussell gesichert.

Die Finanzierung von Würstchen für die Helfer beim Umwelttag oder eines Kranzes zur Niederlegung am Kriegerdenkmal am Volkstrauertag dagegen wurde schwierig. 2017 fanden diese beiden Veranstaltungen der Arge Sov nicht statt. Allerdings übernahm der VdK die Organisation der Feierstunde am Volkstrauertag. hn

Immer ein Höhepunkt: Musik uff de Gass. Archivfoto: Michael Sittig